Uni, FH oder Akademie – Wo soll ich Logistik studieren?

Wer Logistik studieren möchte, der muss sich nicht nur für einen bestimmten Studiengang und Schwerpunkt entscheiden, sondern auch für eine Hochschulform. Logistik kann man in Deutschland nämlich nicht nur an Universitäten, sondern auch an Fachhochschulen und verschiedenen Akademien studieren.

Die Wissenschaftler gehen zur Universität, die Praktiker ziehen die Fachhochschule vor: Lange wurden die Unterschiede zwischen den verschiedenen Hochschultypen so zusammengefasst. Ganz so simpel ist es allerdings nicht; dazu haben auch zahlreiche Veränderungen in der deutschen Hochschullandschaft beigetragen. Vor allem im Rahmen des Bologna-Prozesses haben sich die Lehrformen von Universitäten und Fachhochschulen stärker aneinander angenähert. Besonders sichtbar ist das zum Beispiel bei den Abschlüssen. Fachhochschul-Abschlüsse wurden früher immer mit dem Zusatz (FH) versehen, um deutlich zu machen, an welcher Hochschulart diese erworben wurden. Heutzutage erhalten Studierenden sowohl an der Universität als auch an der FH den Bachelor und Master und können nach dem ersten akademischen Abschluss recht einfach zwischen beiden Hochschulformen wechseln.

Einige Unterschiede gibt es natürlich trotzdem noch. Und dann sind da ja auch noch die Akademien, die ebenfalls Logistik-Studiengänge anbieten. Wo die konkreten Unterschiede liegen und welche Hochschulform sich für wen am besten eignet, erläutern wir dir in der folgenden Übersicht.

Logistik Studium an der Universität

Universitäten werden in Deutschland als die höchsten Bildungseinrichtungen angesehen. Um hier zum Studium zugelassen zu werden, benötigen die Bewerber deswegen in der Regel die Allgemeine Hochschulreife – also das Abitur. Allerdings hat sich der Zugang zur Universität in den letzten Jahren deutlich gelockert, so dass jetzt immer öfters auch Bewerber ohne Abitur (mit einer beruflichen Qualifikation) die Chance auf einen Studienplatz im Logistik-Bereich haben.

Inhalte

Auch wenn das Studium an der Universität seit dem Bologna-Prozess anwendungsbezogener geworden ist, ist es im direkten Vergleich mit der Fachhochschule trotzdem immer noch deutlich theoretischer aufgebaut. Die Studierenden bekommen hier vor allem einen Überblick über den aktuellen Wissensstand ihres Fachbereichs, lernen die wichtigsten Theorien kennen und beschäftigen sich mit den entsprechenden wissenschaftlichen Methoden. Die vermittelten Inhalte sind außerdem oft etwas breiter aufgestellt. Natürlich lernt man auch hier spezifische logistische Inhalte kennen; daneben dreht sich aber auch vieles darum, wie man wissenschaftliche Frage- und Problemstellungen richtig angeht und lösen kann. Natürlich gibt es aber auch an Universitäten Praxismodule: Ein Praktikum in einem logistischen Betrieb ist auch hier so gut wie immer innerhalb des Studiums vorgesehen.

Organisation

Auch die Organisationsstruktur an der Universität unterscheidet sich von der der Fachhochschulen. Die Studierenden sind hier (in einem vorgegebenen Rahmen) verhältnismäßig frei, Kurse und Module auszuwählen und ihren Stundenplan mitzugestalten. Das verlangt allerdings auch ein hohes Maß an Eigeninitiative, wenn es um die Studienorganisation geht. So fallen zum Beispiel die selbständige Vor- und Nachbereitung der Unterrichtseinheiten, das Einhalten von Fristen oder die rechtzeitige Anmeldung zur Prüfung in den Verantwortungsbereich der Studierenden und nicht der Uni. Das kann manchen Studierenden überfordern, hilft aber langfristig auch, Selbstdisziplin und organisatorische Fähigkeiten zu entwickeln.

Die Lerngruppen an der Universität sind in der Regel außerdem deutlich größer als an den Fachhochschulen; sind diese dort meist auf eine Gruppengröße von bis zu 30 Teilnehmern begrenzt, können die Lehrveranstaltungen an der Uni deutlich größer sein. Vor allem in den Basis-Vorlesungen (wie BWL oder Mathematik) befinden sich oft manchmal hunderte von Teilnehmern.

Die Universität ist übrigens die einzige akademische Einrichtung, an der Studierende nach dem Master-Abschluss noch einen Doktor machen können. Dieser stellt den höchsten akademischen Abschlüsse überhaupt dar und ist ein wichtiger Karriere-Baustein für alle, die eine berufliche Zukunft im Bereich der Wissenschaft und Forschung planen.

Logistik Studium an der Fachhochschule

Auch bei den Fachhochschulen hat sich in den letzten Jahren einiges getan. So hat sich zum Beispiel die Art der Bezeichnung diversifiziert, was gerade bei Studieninteressenten, die sich das erste Mal mit dem Thema beschäftigen, schnell zu Verwirrung führen kann. Neben dem Begriff der klassischen „Fachhochschule“ oder „FH“ wird nun immer häufiger auch die Bezeichnung „University of Applied Science“ verwendet. Darüber hinaus streichen außerdem immer mehr Fachhochschulen das „Fach-“ aus ihrem Namen, um die Annäherung der FHs und Universitäten stärker zu betonen. Findet sich z.B. in unserer Datenbank eine „Hochschule“, so beschreibt diese Bezeichnung also häufig eine Fachhochschule. Um hier zum Logistik Studium zugelassen zu werden, benötigen Bewerber in der Regel die Fachhochschulreife; allerdings werden auch hier mittlerweile verstärkt Bewerber mit beruflichen Qualifikationen berücksichtigt.

Inhalte

Im Gegensatz zur Universität legt die Fachhochschule den Fokus stärker auf die Praxis. Zwar vermittelt auch sie die notwendigen Theorien, erläutert diese aber meist stärker mit praktischen Beispielen aus dem Logistik- und Unternehmensalltag. Für viele Studierende werden die Lehrinhalte so weniger abstrakt und sind einfacher zu erfassen. In diesem Zusammenhang ist es auch von Vorteil, dass die Dozenten an der FH meist selbst aus der Wirtschaft kommen. Um hier als Lehrkraft tätig zu werden, müssen die Bewerber eine mindestens fünfjährige, hauptberufliche Berufspraxis vorweisen können. So soll unter anderem sichergestellt werden, dass sie die entsprechende berufliche Erfahrung mitbringen, um ihren Studierenden den Stoff anhand anschaulicher Fallbeispiele aus der Praxis beizubringen.

Organisation

Einer der großen Unterschiede im Organisationsalltag sind die kleineren Kursgruppen, die man an den Fachhochschulen vorfindet. Diese machen es z.B. leichter, ein enges Betreuungsverhältnis zwischen Studierenden und Dozenten aufzubauen. Außerdem sind die Lehrpläne in der Regel sehr viel stärker verschult; die Stundenpläne werden von der Hochschule vorgegeben und bieten weniger Spielraum und Flexibilität als an der Universität. Das erleichtert das Studieren vor allem für die, die gerne mit Vorgaben und "unter Anleitung" lernen und Mühe haben, sich außerhalb fester Strukturen zum Lernen zu motivieren. Außerdem beinhalten die Lehrpläne in der Regel einen höheren Anteil an Praxismodulen.

Logistik Studium an der Akademie

Den dritten Hochschultyp stellen die sogenannten Berufsakademien dar, die nicht zu verwechseln sind mit privaten Hochschulen, die sich manchmal „Akademie“ nennen. Berufsakademien bilden duale Logistik-Studierende theoretisch aus. Studierende, die dual studieren, verknüpfen ein akademisches Studium mit einer Ausbildung bzw. praktischen Tätigkeit in einem Unternehmen über den gesamten Studienzeitraum. Weil es sich hierbei um ein ganz eigenes Studienmodell handelt, das auch in der Logistikbranche zur Anwendung kommt, haben wir dem dualen Logistik Studium eine ganze eigene Rubrik gewidmet.

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Duales Studium

FAZIT

Nachdem wir dir nun einen Überblick über die verschiedenen Hochschultypen gegeben haben, die Logistik-Studiengänge anbieten, hast du sicher schon einen ersten Eindruck davon bekommen, welche Hochschulform sich am besten für dich eignet. Bei der Wahl der Hochschule gilt generell: Ein Logistik Studium an der Universität ist weder besser oder schlechter als an der FH. Für welche Hochschulform man sich entscheidet, ist vielmehr eine ganz individuelle Entscheidung, die unter anderem von persönlichen Vorlieben, Stärken und Interessen, der konkreten beruflichen Zielsetzung oder auch von externen Faktoren abhängig ist, zum Beispiel von der Wohnortnähe oder einer persönlichen Empfehlung.

Gleiche Berufschancen

Nicht nur formal sind sich Universität und Fachhochschule ähnlicher geworden: Mittlerweile eröffnen sich Absolventen beider Hochschultypen auch mehr oder weniger die gleichen Berufschancen. Galt der FH-Abschluss vielen Arbeitgebern früher als weniger hochwertig als der Uni-Abschluss, hat sich diese Einstellung mittlerweile geändert. Je nach Branche und Arbeitgeber kann es sogar sein, dass den FH-Absolventen aufgrund ihrer größeren praktischen Erfahrung in der Wirtschaft der Vorzug gegeben wird. Auch in puncto Gehalt gibt es kaum noch Unterschiede: Eine Studie der Online-Jobbörse Stepstone kam zu dem Ergebnis, dass Absolventen einer Universität im Schnitt nur noch vier Prozent mehr verdienen als ihre Kollegen, die ihren Abschluss an der Fachhochschule erworben haben. Demnach beträgt das durchschnittliche Einkommen von Uni-Absolventen 43.252 Euro im Jahr, während bei den Abgängern einer staatlichen FH 41.589 Euro auf der jährlichen Gehaltsabrechnung stehen (diese Zahlen beziehen sich nicht auf die Logistik).

Wenn dich konkrete Gehaltszahlen interessieren, wirf unbedingt auch einen Blick in den Artikel Gehalt in der Logistikbranche.

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