Studienkosten und Studienfinanzierung
„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ – dieses Sprichwort kennst du bestimmt auch. Gemeint ist, dass man zu den Zeiten, in denen man seinen Beruf erst noch erlernen muss und dementsprechend sehr unerfahren ist, natürlich noch keine großen Sprünge machen kann, vor allem in finanzieller Hinsicht. Aber muss man sich für ein Studium denn direkt tief in die Schulden stürzen? Das ist sicherlich auch nicht gewollt. Hier findest du einen Überblick über die durchschnittlichen Kosten eines Studiums sowie die Möglichkeiten zur Studienfinanzierung.
Studienkosten:
Mit dem Beginn eines Studiums kommen auf einen Schlag zahlreiche Kosten auf dich zu. Die 19. Sozialerhebung des Studentenwerks hat herausgefunden, dass man als Studierende/r monatlich 740 Euro aufbringen muss, um sein Studium zu finanzieren. Und darin sind die Studiengebühren und der Sozialbeitrag, die zusammen oftmals ca. 600 Euro pro Semester (also 100 Euro pro Monat) betragen, noch nicht eingerechnet. In der folgenden Grafik siehst du, wofür der „Normalstudent“ (Durchschnittstudent, der nicht mehr zu Hause wohnt und an einer staatlichen Uni studiert) monatlich sein Geld ausgibt. Die Zahlen sind die Ausgaben in Euro.

Wie gesagt, dies ist der Durchschnitt. Denn zum Beispiel die Mietkosten können sich eklatant ändern, je nachdem, in welcher Stadt man wohnt. In Berlin zahlt man teilweise nur ein Dritter der Miete, die man z.B. in München zahlt.
Die Spanne der monatlichen Ausgaben reicht dementsprechend von ca. 550 – 1.000 Euro.
Studienfinanzierung:
Nachdem du dir nun einen Überblick verschaffen konntest, was an Studienkosten auf dich zukommt, möchten wir dich mit der nachfolgenden Aufzählung überzeugen, nicht zurückzuschrecken, sondern ein Studium aufzunehmen und dies durch einen geeigneten Mix an Unterstützungen zu finanzieren.
1.) Unterhalt durch die Eltern
Die Eltern sind natürlich die ersten, die man fragt, wenn es um die Studienfinanzierung geht. Wenn du noch Kindergeld-empfangsberechtigt bist (also nicht älter als 25 Jahre plus Wehrdienst-/Zivi-Zeit), dann erhalten deine Eltern zwischen 184 und 215 Euro monatlich für dich. Die stehen dir natürlich, falls du nicht mehr zu Hause wohnst, zur Finanzierung deines Studiums zu.
Was du darüber hinaus von deinen Eltern (und evtl. auch Verwandten) an Unterstützung bekommst, liegt natürlich immer an der individuellen finanziellen Situation. Generell sind Eltern sogar gesetzlich verpflichtet, dir ein Studium zu ermöglichen (§1610 Abs. 2 BGB).
2.) Beantragen von BAföG
Über ein Viertel aller Studenten in Deutschland erhält BAföG. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (so der komplette Name) soll dafür sorgen, dass auch Kinder einkommensschwacher Familien ein Studium finanzieren können. Ob man BAföG-berechtigt ist, wird immer individuell geprüft. Dafür musst du z.B. Nachweise über deine Vermögensverhältnisse sowie die deiner Eltern einreichen. Je nach finanzieller Situation erhältst du dann eine Förderung von bis zu 670 Euro monatlich. Das Besondere: Die Hälfte des BAföGs ist geschenkt, die andere Hälfte ist ein zinsloses Darlehen. In einer angemessenen Zeit nach dem Studium musst du dann diese Hälfte, aber wiederum nur maximal 10.000 Euro, an den Staat zurückzahlen. Die Höchstdauer der BAföG-Förderung entspricht grundsätzlich der Regelstudienzeit des jeweiligen Studienfachs. Alle Infos gibt es unter http://www.das-neue-bafoeg.de.
3.) Lernen und verdienen durch Jobben
Ein studentischer Job neben dem Studium ist nicht nur aus finanzieller Sicht sehr zu empfehlen. Wer einem Nebenjob nachgeht, dessen Arbeitsfelder verwandt mit den Studieninhalten sind, der sammelt gleichzeitig zu den theoretischen Inhalten im Studium noch wertvolle Praxiserfahrung. Das kann beim Einstieg in den Beruf zum entscheidenden Faktor werden. Wir kennen Fälle von Kindern reicher Eltern, die während ihres Studiums nicht gearbeitet haben und dann nach Studienabschluss bei der Jobsuche gegenüber anderen Bewerbern mit nahezu gleichen Qualifikationen oftmals das Nachsehen hatten. Die Praxiserfahrungen durch Nebenjobs und das Zeigen von Eigeninitiative wurde von den Unternehmen sehr geschätzt.
Wer BAföG bezieht, sollte allerdings ein paar Spielregeln beachten: Man darf pro Jahr nicht mehr als 4.800 Euro nebenbei verdienen und auch nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Ansonsten verfällt der BAföG-Anspruch.
4.) Gefördert werden mit Stipendien
Eingeladen werden ist immer schön – egal ob zum Abendessen oder auf einen Kaffee. Und mit Hilfe von Stipendien kann man sogar seine Studienkosten auf andere übertragen. Viele Studienanfänger schrecken davor zurück, sich für Stipendien zu bewerben. „Ich habe doch keinen 1er-Abischnitt“ oder „Da muss man ja der totale Überflieger für sein“ sind gern gebrachte Ausreden. Aber das ist Quatsch. In Deutschland gibt es über 1.800 Institutionen, die Studierende mit Stipendien fördern. Das geht vom Büchergeld bis hin zur Übernahme großer Kostenblöcke wie z.B. der Studiengebühren. Wer sich natürlich nur bei den größten Stipendiengebern wie den parteinahen Stiftungen oder der Studienstiftung des deutschen Volkes bewirbt, der steht mit vielen anderen in Konkurrenz um das Stipendium. Da ist das 1er-Abi Pflicht. Wer sich aber richtig Zeit nimmt und die passenden Fördermöglichkeiten und Institutionen recherchiert, der wird sicherlich fündig. Zudem bietet unser Artikel zu Stipendien und Fördermöglichkeiten einen guten Überblick.
Gute Recherchequellen sind z.B. www.mystipendium.de und www.stipendienlotse.de.
5.) Studium weiterführen mit dem Bildungskredit der KfW
Neben dem BAföG hat die Bundesregierung eine weitere kostengünstige Form der Studienfinanzierung etabliert: Den Bildungskredit der KfW Bank. Er wird Studierenden im Hauptstudium (also ab mind. 3. Semester) für maximal 24 Monate in einer Höhe von 300 Euro gewährt. Im Gegensatz zum BAföG muss man den Bildungskredit allerdings inklusive niedriger Zinsen komplett zurückzahlen.
6.) Studienkredit/ Bildungsfonds
Wenn für dich die oben genannten Möglichkeiten nicht in Frage kommen oder nicht ausreichen, dann hast du noch die Möglichkeit, dein Studium über privatwirtschaftliche Studienkredite oder Bildungsfonds zu finanzieren. Allerdings erhält nicht jeder Studierende solche Kredite. Wer zum Beispiel ein Fach mit von der Bank als schlecht prognostizierten Zukunftschancen studiert, geht wird abgelehnt. Zudem ist es wichtig zu wissen, dass die Rückzahlung teilweise in einem bestimmten Zeitraum nach der ersten Auszahlung anläuft. Wer hier also nicht richtig aufpasst, befindet sich vielleicht noch im Studium, wenn er schon wieder die ersten Raten zurückzahlen muss.
