Was sind Bachelor und Master? Eine Erklärung des Bologna-Prozesses
Bestimmt hast auch du Geschwister, Eltern oder Verwandte, die in der Vergangenheit studiert haben. Und vielleicht kennst du ja auch ihren akademischen Titel. Wenn sie nämlich beispielsweise einen Studiengang aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften (BWL, VWL, etc) studiert haben, dann werden Sie ein Diplom verliehen bekommen haben beim erfolgreichen Studienabschluss. Studierende der Geisteswissenschaften (z.B. Kommunikationswissenschaft, Kunstwissenschaft) haben den Magister als Titel erhalten. Guckt man aber heutzutage auf die Webseiten der Hochschulen, findet man dort nur noch zwei Abschlüsse: Bachelor und Master. Wo sind die Diplom- und Magisterabschlüsse geblieben? Und was hat die Einführung von Bachelor und Master zu bedeuten? Mit diesem Artikel geben wir dir einen Überblick über den sogenannten Bologna-Prozess.
Was ist der Bologna-Prozess?
Der Bologna-Prozess folgte auf die gemeinsame Erklärung von 29 europäischen Bildungsministern im Jahre 1999. Innerhalb dieser Erklärung verständigten sich die Minister, die Schaffung eines europäischen Hochschulraumes bis zum Jahr 2010 voranzutreiben. Mittlerweile haben sich insgesamt 46 Länder dieser Erklärung angeschlossen. Der Name des Bologna-Prozesses lässt sich auch ganz einfach erklären: Der Entschluss wurde damals in der italienischen Stadt Bologna unterzeichnet.
Was sind die Ziele der Reform?
Das übergeordnete Ziel des Prozesses ist und war es, ein System von besser vergleichbaren Hochschulabschlüssen einzuführen, die in ganz Europa (und auch weltweit) leichter anerkannt werden können. Somit sollen die Absolventen einer europäischen Hochschule wettbewerbsfähiger gemacht werden, wenn es um internationale Jobs geht.
Insgesamt hat die Bologna-Reform sechs Ziele:
- Ein zweistufiges System von Studienabschlüssen (zuerst der Bachelor, dann der Master), die leichter anzuerkennen und besser vergleichbar sind. (siehe auch ECTS-Punkte)
- Ein erster, berufsqualifizierender Studienabschluss, der schon nach mindestens drei Jahren erworben wird. So können die Studierenden früher dem Arbeitsmarkt zugeführt werden. Wer sich noch weiterbilden möchte, kann den Master zusätzlich absolvieren (Als „normales“ Vollzeitstudium oder auch berufsbegleitend)
- Ein Leistungspunktesystem nach dem ECTS-Modell. Dies soll dafür sorgen, dass z.B. bei einem Auslandssemester die Leistungen anhand der absolvierten Credit Points leichter anerkannt werden können und auf die Studienleistungen an der Heimatuni angerechnet werden.
- Verbesserung der Mobilität von Studierenden, Lehrkräften und Wissenschaftlern. Es soll einfacher gemacht werden, über Ländergrenzen hinweg zu studieren, lehren und forschen.
- Die europäische Zusammenarbeit im Bereich der Qualitätssicherung.
- die europäische Dimension in der Hochschulausbildung: Erhöhung der Zahl der Module, Studiengänge und Lehrpläne, deren Inhalt, Ausrichtung und Organisation international ausgerichtet ist.
Was bedeutet das für mich als (angehende/n) Student/in?
Der Bologna-Prozess hat für Studierende einige Vor-, aber auch Nachteile. Waren früher bei den über mindestens über 8 Semester (also 4 Jahre) laufenden Diplom- und Magister-Studiengängen beispielsweise Auslandssemester noch fest in den Studienverlauf integriert, so ist das heute bei den nur sechssemestrigen (also 3 Jahre) Bachelor-Studiengängen kaum noch möglich, da der Studienverlauf mit dem Lehrstoff vollgepackt ist. Andererseits sorgt das aber auch dafür, dass die Studierenden früher (und damit in jüngerem Alter) die Uni oder FH verlassen und sich ins Berufsleben stürzen können. Durch die Zweistufigkeit des Systems (erst der Bachelor, dann der Master) ist zudem eine besondere Spezialisierung möglich. Wer einen allgemein gehaltenen Bachelor in BWL gemacht hat, kann sich z.B. durch einen Master in Logistik besonders für eine Branche spezialisieren und somit seine Einstellungschancen erhöhen.
Weitere Informationen:
Du möchtest du noch ausführlicher und weitergehender informieren? Auf den Seiten des Spiegels und der Hochschulrektorenkonferenz findest du interessante Artikel und Statistiken. Außerdem findest du hier ein PDF mit der Original Erklärung zum Bologna-Prozess.





